Sommer in Wanderschuhen (II): Immer am (Schwäbische Alb) Rand

Euch ist es an Bodensee, Neckar und Kaiserstuhl zu voll? Dann hätten wir da was für Euch: Vier traumhafte Tage auf der Alb. Einkehr inklusive.

Sommer in Wanderschuhen (II): Immer am (Schwäbische Alb) Rand

Euch ist es an Bodensee, Neckar und Kaiserstuhl zu voll? Dann hätten wir da was für Euch: Vier traumhafte Tage auf der Alb. Einkehr inklusive.


Immer, wenn es uns im Rest des Ländles zu trubelig wird, bietet die Schwäbische Alb einen Ausweg. Weil es da eigentlich fast überall schön ist. Und weil sich das erstaunlicherweise immer noch nicht herumgesprochen hat, ist dort eigentlich nie mit größeren Menschenmassen zu rechnen (abgesehen von wenigen Ausnahmen, doch dazu später mehr). Wir verlassen uns bei unseren Fuß-Touren quer durchs Land stets auf den Schwäbischen Albverein. So wie bei der folgenden Route, dem sogenannten Hauptweg 2, den wir auf dem Stück zwischen Ulm und Sigmaringen gelaufen sind.

Tag 1: Ulm – Blaubeuren

Also sitzen wir an einem Samstagmorgen in einem Zug nach Ulm. Das ist aus zwei Gründen praktisch: Zum einen, weil jeden Samstag rund um das Ulmer Münster ein wirklich empfehlenswerter Wochenmarkt steigt. Hier verkaufen erfrischend viele Betriebe, die wir auf unserer Neigschmeckt-Karte führen, ihre Produkte. Somit ist die Versorgungslage für den eigentlichen Grund unserer Reise auch schonmal gesichert: In Ulm wollen wir auf den Hauptwanderweg 2 des Albvereins gelangen. Von hier zieht sich dieser in vier jeweils etwa 20 Kilometer langen Etappen den Alb-Südrand.

Das gestaltet sich vom Münsterplatz aus etwas mühsamer als sonst, weil einige der für gewöhnlich zuverlässigen Hinweisschilder im Ulmer Innenstadtgetümmel untergehen. Wenn man sich aber Richtung Kuhberg und das dort liegende Schulzentrum hält, gelingt es irgendwann recht gut. Etwa 20 Kilometer stehen an dem Tag auf dem Programm, abends wollen wir in Blaubeuren übernachten. Der Weg führt entlang einer hügeligen Grenzlandschaft zwischen Schwäbische Alb und Oberschwaben, bietet einige sehr hübsche Ausblicke und bewährt sich ansonsten als guter Einstieg.

In Blaubeuren nochmal flugs einen Schlenker zum Blautopf: Ein mysteriöser Teich, der wegen besonderer Mineralienvorkommen hier schlumpfenblau leuchtet. Danach: Einchecken im Hotel Ochsen. Kein Schnick-Schnack, eher Business-Style. Unserer Erfahrung nach aber das beste im Ort. Es lohnt sich, bei der Reservierung darauf hinzuweisen, dass man ein Zimmer mit ordentlich Tageslicht bevorzugt.

Wer schlau ist, hat zuvor im Gasthof Schwanen angerufen. Wer spontan ist, versucht es so. Die kleine Gaststätte backt nicht nur an einigen Tagen der Wochen hervorragendes Brot. Sie bietet auch auf ihren wenigen Plätzen täglich eine Art Gastronomie gewordene Hausmannsküche. Es gibt zwei, maximal drei Gerichte. Nach dem Salat vorweg, warten dann Dinge wie ein Krustenbraten, ein Kräuterrollbraten oder vegetarische Möglichkeiten. Das schmeckt alles wirklich wie zu Hause und wirkt auch so. Die Betreiberfamilie ist so herzlich, dass man kurz traurig ist, dass es am nächsten Tag schon weitergehen soll. Dazu gibt es das leckere Berg-Bier aus dem nicht weit entfernten Ehingen.

Tag 2: Blaubeuren – Hütten

Beim Aufbruch in Blaubeuren empfehlen wir, in der Filiale des BeckaBeck nochmal Proviant mitzunehmen. Denn: Dieser Tage wird verpflegunstechnisch ein Problem. Dafür ist allerdings die Wanderung umso schöner. Es geht von der Blautopf-Stadt zunächst eine knackige Steigung hoch bevor man auf einem dieser Schwäbische Alb Plateaus landet, die diese Gegend so traumhaft machen.

Durch Wiesen und Felder läuft man nach etwa drei Stunden auf die Industriestadt Schelklingen zu. Die ist einerseits von Idyll umgeben, selbst jedoch kein Kleinod. Wir würden auf dem Aussichtspunkt vor der Stadt das mitgeführte Proviant verknuspern und dabei ein wenig auf das Treiben im Tal der Stadt schauen. Dann empfiehlt es sich, die Stadt flugs zu druchqueren. Stattdessen gelangt man in ein Tal und hält sich entlang der Schmiech in Richtung des gleichnamigen oberen Tals. Die Strecke führt hier entlang der Trasse der Schwäbischen Eisenbahn, die noch immer verkehrt.

Für das Ende dieses Tages haben wir keine ideale Lösung. Etappenziel ist Hütten. Dort liegt der Gasthof Bären, der im Prinzip vertretbar kocht und auch Zimmer hat. Leider hatten wir bei unserer Reise kein Glück (Coronazeit) und mussten deshalb auf einen Gasthof ausweichen, den wir an dieser Stelle nicht empfehlen möchten. Deshalb empfehlen wir, es mit ausreichend Vorlauf im Bären zu versuchen. Denn weder in Schelklingen noch in den Orten dazwischen, die mit der Eisenbahn theoretisch erreichbar wäre, gibt es wirklich Alternativen.

Tag 3: Hütten – Indelhausen

Ab jetzt wird’s besser. Die Strecke ist zwar nicht ganz ohne, bietet aber den schönsten Teil dieses Weg-Stücks. Es geht ein Stück vom Ort auswärts wieder die Schmiechen entlang zurück, bevor der Weg durch einige enge, wunderbar bewaldete Täler von der Schmiechen wegführt.  Über die Ruine Wartstein geht es in Richtung Oberes Lautertal.

Das ist nach dem gleichnamigen Fluss benannt und eines, wenn nicht DAS, der schönsten Täler der Alb. Man kraxelt irgendwann über Stock und Stein, entlang von Aussichtspunkten (unbedingt, wirklich, feste Schuhe dabei haben) und gelangt so auf eine Wiese, durch die die Lauter plätschert. Hier treffen der HW 2 und der HW 5 aufeinander. Und wir empfehlen an dieser Stelle, vom HW 2 einmal abzuweichen – und statt Hayingen den Hayinger Vorort Indelahausen anzusteuern.

Denn dort versteckt sich das Hotel Hirsch, über das wir auch an anderer Stelle schon geschwärmt haben. Hier lässt sich nicht nur wirklich richtig toll essen und trinken sondern auch schlafen. An warmen Tagen würden wir vorher anrufen und ein Plätzchen im schönen Biergarten reservieren lassen.

Tag 4: (Indelhausen -) Hayingen – Friedingen

Nach dem Schlummerschlaf und dem tollen Hirschen-Frühstück muss man jetzt kurz überlegen: Entweder läuft man eine wirklich sportliche Stunde nach Hayingen, um wieder auf den eigentlich Weg zu kommen. Oder man nimmt den Bus. Da auch ab Hayingen noch fast 20 Kilometer mit der ein oder anderen Steigung warten, empfiehlt sich unserer Meinung nach der Bus. Einfach im Zentrum Hayingens, an der Kirche, aussteigen und auf dem Weg weiterlaufen.

Es geht nun durch traumschöne Weiden-Hügel in Richtugn einer Alb-Institution: der Wimsener Höhle. Da ist es im Sommer arg trubelig (was man ja mal 20 Minuten ertragen kann angesichts der Menschenleere auf dem Rest des Weges), aber eben auch arg schön. Wer schon seit Indelhausen zu Fuß unterwegs ist, könnte hier in die Gaststätte einkehren – die wunderbare Familie Tress, über die wir an anderer Stelle auch schreiben – hat diesen Betrieb vor einiger Zeit übernommen und bewirtet ihn mit einer ziemlich lässigen Bio-Küche. Alle anderen gehen den Abstieg weiter Richtung Zwiefalten.

Die Klosterstadt ist hübsch anzusehen und bietet den Ausgangspunkt für den nächsten Anstieg, der es in sich hat: Über Upflamör geht es durch offene Alb-Landschaft in Richtung Friedingen. Dort fährt gegen 17 Uhr der letzte Bus Richtung Riedlingen. Den sollte man anpeilen – weil sich in Friedingen wirklich nicht übernachten lässt. Von Riedlingen bringt Euch die Donau-Alb-Bahn nach Ulm zurück und von dort findet Ihr vermutlich nach Hause.

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