Schwäbischer Wein: Was ist das Besondere am Trollinger?

Schwäbischer Wein: Was ist das Besondere am Trollinger?

Dies ist ein Text für Neigschmeckte und Gäste. Denn den Schwaben muss man nichts über ihr Nationalgetränk erzählen. Wir wissen jetzt auch, warum sie Trollinger so lieben.


Der Trollinger ist ein bisschen wie die Bild-Zeitung im Ländle: Niemand gibt zu, ihn zu mögen und dennoch ist es die beliebteste Rebsorte im Land. Rund 20 Prozent der Württemberger Rebfläche ist mit Trollinger bepflanzt. Die Schwabis lieben diesen hellen Rotwein, den es hier in jeder Kneipe gibt. Trollinger ist Württemberg pur: Fast der komplette deutsche Rebstockbestand dieser Sorte steht im Ländle. 

Und dennoch gibt es wenig lokale Rebsorten, die einen so schlechten Ruf haben wie der Trollinger. Manch Unkundige:r außerhalb Württembergs meint gar, es sei noch nicht einmal ein richtiger Rotwein, so dünn ist er. Also wollen wir uns hier mal der Faszination dieser Rebsorte nähern.

Trollinger ist ein Rotwein, den ihr vielleicht schonmal getrunken habt, ohne es zu wissen. In Südtirol heißt er „Vernatsch“, vermutlich kommt auch von hier sein deutscher Name (Tirolinger, kein Scherz), weiter im Süden nennen die Italiener ihn Schiava. Doch der italienische Vernatsch hat einen völlig anderen Charakter als der Wein, den die Württemberger aus der gleichen Rebsorte machen. Der Trollinger ist nämlich einzigartig:

Trollinger ist Frucht pur
Erdbeeren, Kirsch, manchmal Himbeeren – all das ist findet ihr im Aroma dieser Rebsorte. Manche finden das zu kitschig-fruchtbetont, doch wenn der Wein trocken ausgebaut ist, zeigen sich solche Fruchtaromen überhaupt nicht süß, sondern einfach einladend.

Trollinger ist Easy Drinking
Weingläser mit Henkel – die gibts nur hier im Ländle. Es passt genau ein Viertelliter hinein („s’Viertele“) zum Vierteles-Trinken ist der Trollinger perfekt geeignet. Man muss nicht groß drumherum reden, man muss nicht groß Connaisseur sein. Trollinger ist kein Wein, über den groß philosophiert wird, es ist ein Wein, den man einfach entspannt wegtrinken kann.

Trollinger ist leicht
Die Württemberger Interpretation der Sorte ist leichtfüßig. Genau das lieben wir am Trollinger, er hat weder hohe Alkoholwerte noch macht er schnell satt. Er ist sicher das Gegenteil von den schweren großen Rotweinen von Weltruf, aber genau deshalb passt er oft so gut. Dadurch übrigens auch der perfekte Mittagswein.

Trollinger ist wunderbar im Sommer
Die Rebsorte hat von Haus aus wenig Gerbstoffe, das sind die Inhaltsstoffe im Wein, die einem manchmal den Gaumen etwas austrocknen und die auf viele Menschen bitter wirken. Deshalb werden die meisten Rotweine ungekühlt getrunken, weil sich die Gerbstoffe sonst noch sperriger und kantiger präsentieren. Nicht so beim Trollinger. Da er tanninarm ist und gleichzeitig so leichtfüßig rotwein-untypisch, sollte man ihn unbedingt kühlen. So wird er zum perfekten Wein im Sommer! Frisch, kühl mit feinen rotfruchtigen Aromen – da braucht es nichtmal Sonne.

Trollinger hat viele Facetten
Oft wird Trollinger mit Lemberger verschnitten, um ihm etwas mehr Intensität und Tiefgang zu verleihen – Codewort T/L. Doch das ist gar nicht nötig. Es gibt Winzer:innen, die widmen sich der Rebsorte derart detailverliebt, dass sie ihr ganzes Potential zeigt. Selbst Spitzenbetriebe setzen wieder auf die lokale Rebsorte.

Allen voran das Weingut Aldinger aus Fellbach. Ihr Trollinger SINE ist eine der großen Benchmarks für Württembergfans. Die Aldingers haben für diesen Wein den Ertrag stark reduziert und nur unbeschädigte, ganze Trauben vergoren (normalerweise werden sie vorher gequetscht). Dadurch bekommt der Wein eine beeindruckende Fruchtigkeit ohne irgendwelche „bitteren“ Noten. Um den Geschmack so unverfälscht wie möglich in die Flasche zu bringen, haben sie ihn ungefiltert und ungefüllt abgefüllt. Der 2018er-Jahrgang hat gerade mal 10 Prozent Alkohol und zeigt eine außergewöhnliche Intensität. Und gleichzeitig haben sie es geschafft, eine der charakteristischsten Trollinger-Eigenschaften zu bewahren: Trinkigkeit.

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