Milch aus dem Allgäu: Ein Stück Glück vom Fleck

Der Milch-Hof Fleck liegt nicht nur an einer der schönsten Stellen Baden-Württembergs. Er ist auch eine der schönsten Geschichten darüber, was passiert, wenn Landwirt:innen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.
Kuh vom Fleck

Milch aus dem Allgäu: Ein Stück Glück vom Fleck

Der Milch-Hof Fleck liegt nicht nur an einer der schönsten Stellen Baden-Württembergs. Er ist auch eine der schönsten Geschichten darüber, was passiert, wenn Landwirt:innen ihr Schicksal selbst in die Hand nehmen.

  • Der Milch-Hof Fleck liefert Milch nach an Molkereien, sondern macht alles selbst
  • Der Hof arbeitet biodynamisch und die Kälber dürfen mit den Kühen aufwachsen
  • Künftig soll mit Kund:innen ein Gemeinschaftsladen finanziert werden.

Neulich stand im Milch-Hof Fleck ein kleiner Joghurt-Kunde. Seine Mutter hatte versucht, ihm ausnahmsweise einen Joghurt aus dem Supermarkt vorzusetzen. „Hat der nach dem ersten Löffel gemerkt und nicht weitergegessen“, sagt Herbert Fleck. Er sitzt auf der hölzernen Eckbank in seiner Küche und freut sich still in sich hinein, wie das so seine Art ist. „Das ist natürlich ein schöner Beleg für das, was ich eh glaube“, sagt der Landwirt. Was er eh glaubt? Dass die Kombination aus Herkunft von bestimmten Weiden, der Haltung der Kühe, der besonderen Umgebung von Stall und Melkstand und den Händen des Bauern einer Milch, und damit auch einem Joghurt, etwas ganz besonders Einzigartiges verleiht.

Und dass das so ist, das glaubt Herbert Fleck vom Milch-Hof Fleck bei Leutkirch nicht nur. Das pflegt und zelebriert der biodynamisch arbeitende Betrieb, der vor allem von und mit Milchkühen lebt, wie kaum ein zweiter Hof im Ländle. So sehr, dass Milch Fleck längst eine Marke geworden ist, womöglich eine der kleinsten Milchmarken im Land. Ganz sicher aber einer der schmackhaftesten.

Ein besonderer Milchhof unter unzähligen

Im Württemberger Teil des Allgäus ist es ja so: Es wimmelt vor Milchhöfen, schließlich sind die Bedingungen für die Kuhhaltung fast nirgendwo so ideal wie im Alpenvorland. Und wer seine Milch hier ökologisch erzeugt, die Tiere also auf die Weide bringt und ihnen vielleicht sogar die Hörner lässt, der liefert entweder an die Leupolzer Bauernkäserei oder er gehört zur Erzeugergemeinschaft der Demeter Heumilchbauern.

Oder er ist eben Herbert Fleck: Der macht einfach sein Ding und liefert seine Milch an gar keine Molkerei.

Es ist kurz vor der Dämmerung, die Kühe reihen sich wie von alleine vor dem Stall auf. Die Mäuler dampfen in der Kälte, von innen klimpert das Melkgeschirr. Dann geht es in sehr gemächlichen Schritttempo in den Stall. Es ist vor allem Allgäuer Braunvieh, das hier aufs Melken wartet. Eine traditionelle Rasse, die sich hervorragend für das Alpenvorland eignet. Hier wird zwei Mal am Tag gemolken, mal mehr, mal weniger.

Kälber bleiben auf dem Hof

Wichtig ist eben, dass alle Arbeiten noch so überschaubar sind, dass man sie per Hand erledigen kann. „Die Handarbeit ist einer der entscheidenden Unterschiede“, sagt Herbert Fleck. Das gilt für die Herstellung der Produkte, aber auch für den Umgang mit den Tieren. Die Zahl der Kühe ist nicht zuletzt auch deswegen bei 54 begrenzt, was im Allgäu gar nicht mal so wenige sind, deutschlandweit aber als eher kleiner Hof zählen würde.

Denn auf dem Hof Fleck zählt der Wert einer Kuh nicht nur danach, wie viel Milch sie gibt. Sondern auch, wie alt sie wird, wie gesund sie ist, wie sie ihr Kalb großzieht. Denn anders als auf vielen, auch ökologisch arbeitenden, Milchhöfen, bleiben bei Fleck auch die Kälber auf dem Hof, saugen Milch von der Kuh, ergänzen später die Herde oder gehen in die Fleischerzeugung.

Es lebe der Milch-Express

Die Milch wiederum, die gibt Herbert Fleck nicht aus der Hand, bis sie die Kund:innen erreicht. Er verarbeitet sie zu Sahne oder Joghurt – oder liefert sie, so wie sie die Kuh verlässt, an die Kund:innen. Einige Läden in der Umgebung von Leutkirch verkaufen die Produkte. Am Hof selbst – der sich ziemlich in den idyllischen Allgäu-Hügeln von Aichstetten versteckt – bietet eine Art „Hofladen“, der im Wesentlichen aus einem Selbstbedienungsschrank samt Kassenbuch besteht, die Erzeugnisse. Der Star des Hofs ist aber der Lieferwagen, der Joghurt, Sahne und Milch ein Mal pro Woche zu den Kund:innen nach Hause fährt. 

Milch per Milchtaxi? Für Herbert Fleck ist das der Garant seiner Unabhängigkeit. Keine Molkerei, kein Zwischenhändler, der ihm hineinredet. Einfach seine Kühe, seine Mitstreiter:innen auf dem Hof – und er. 

Künftig ein Laden mit den Kund:innen

Nur Idyll aber ist auch für den Hof Fleck nicht. Natürlich geht das Auf und Ab der Märkte nicht völlig am Hof Fleck vorbei, so verlässlich wie der Markt für Bio-Milch und für Bauern, die ihre waren selber verkaufen, auch ist. Deswegen plant der Hof etwas besonderes: Mit einigen weiteren Bio-Höfen aus der Region wollen sie sich künftig zusammentun und in Leutkirch in einem Laden echte, naturbelassene Allgäuer Milch anbieten. 

In einer Gemeinschaftsaktion sollen Landwirt:innen und Kund:innen das gemeinsam finanzieren. „Das wäre der Durchbruch, wie auch die nächste Generation von so einem Hof wie dem unseren leben kann“, sagt Herbert Fleck. Und wer einmal seinen Joghurt und seine Sahne gekostet hat, möchte ganz sicher, dass das möglich ist.

Biohof und Molkerei Fleck
Eschach 7
88317 Aichstetten
www.milchfleck.de

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