So schmeckt der Sommer: Streuobst, das Genuss und Vielfalt fördert

Schwaben ist Streuobst Land. Nirgendwo gibt es mehr süße Früchtchen aus alten Sorten. Und das beste ist: Kreative Genusshandwerker:innen machen sich auf, die für uns genießbar zu machen.

So schmeckt der Sommer: Streuobst, das Genuss und Vielfalt fördert

Schwaben ist Streuobst Land. Nirgendwo gibt es mehr süße Früchtchen aus alten Sorten. Und das beste ist: Kreative Genusshandwerker:innen machen sich auf, die für uns genießbar zu machen.
  • Nirgendwo in Europa gibt es mehr Streuobst als im Ländle – dennoch sind die alten Sorten bedroht.
  • Die einmalige Landschaft mit den hochwachsenden Obstbäumen ist bedroht, wenn die Früchte niemand mehr verarbeitet.
  • Fünf Adressen, die aus altem Obst tolle Produkte machen.

Am schönsten ist es hier im Mai, am leckersten im Spätsommer: Streuobstflächen. Ob entlang des Albtraufs bei Tübingen und Mössingen, zwischen Oberschwaben und Bodensee, im Hegau, in Südbaden oder in Hohenlohe: Überall dort, wo alte Obstbäume wachsen und Früchte liefern, bilden diese beiden Pole den Rahmen des Jahres; die betörend schöne Blüte, und das Geschmackserlebnis nach der Ernte. Und das ist eine echte Besonderheit: Nirgendwo in Europa wachsen so viele Streuobstbäume wie in Baden-Württemberg; also Bäume, deren Obst noch wie früher an hohen Stämmen wächst und die meist zu alten Sorten gehören.

Dabei sind die Bäume durchaus bedroht. Obwohl Birnen, Äpfel, Zwetschgen oder Kirschen zuverlässige, wenn auch eigenwillige Genusslieferanten sind, schwinden die Flächen auch im Ländle. Was dagegen hilft? Die Menschen, die die Bäume und das Obst hegen, pflegen und verarbeiten durch den Kauf dieser Produkte unterstützen.

Gut für Geschmack – und Globus

Das ist nicht nur gut für den Geschmack – sondern auch ziemlich nachhaltig.  Mehr als 5.000 Tier- und Pflanzenarten sind auf Streuobstwiesen zu Hause, die Artenvielfalt dort ist immens groß. Außerdem finden sich hier oft ganz alte Obstsorten, die im modernen Anbau keine Rolle mehr spielen: der spät reifende Winterapfel Ontario zum Beispiel oder die Schweizer Wasserbirne mit ihrer hohen Saftausbeute. „Es gibt über 3.000 Sorten auf Streuobstwiesen, das ist ein wichtiges Genreservoir“, schwärmte Martina Hörmann, Vorsitzende des Vereins Hochstamm Deutschland, neulich bei einer Veranstaltung von Slow Food Deutschland.

Der bekanntes Streuobst-Genusszauberer ist übrigens Jörg Geiger. Ein Mann aus einer alteingesessenen Gastronomen-Familie zwischen Schwäbischer Alb und Filstal, der den Wert der oft runzlig-kleinen Äpfelchen, Birnen und Co schon vor vielen Jahren erkannte. Und heute unter seinem Namen nicht nur unzählige alte Sorten gerettet hat – etwa die Champagner-Bratbirne – sondern immer wieder neue Rezepte findet, altes Obst schmackhaft zu machen.

Der Streuobst-Genusspionier

Als Geiger den Betrieb 1993 übernahm, war vom schwäbischen Streuobstwunder noch keine Rede. Klar aber war von Anfang an, dass hier jemand ans Werk geht, der neben der Verbundenheit zu seiner Heimat auch schwäbische Tugenden wie Leidenschaft und Perfektion mitbringt. Geiger ist ebene typisch Tüftler,  Unternehmer mit Blick fürs Detail oder Detailverrückter mit unternehmerischem Gespür – je nachdem. Ermutert durch den Erfolg einer auf Champagner Art versekteten Champagner-Bratbirne (Die heißt wirklich schon immer so, also sehr, sehr lange), stieg Geiger 2003 in die Manufaktur alkoholischer, zunehmend aber auch alkoholfreier Getränke aus den Früchten der heimischen Streuobstwiesen ein. Heute gibt es mehrere Dutzend verschiedener Geschmacksrichtungen – und mehr als 50 Mitarbeitende.

Die Streuobstbewegung

Und vor allem Nachahmer. Menschen, die wie Geiger aus altem Streuobst hochwertige Produkte herstellen – und so auch Natur und Landschaft erhalten.
Hier kommen unsere fünf Lieblinge (die zeigen, was möglich ist, aber keinen Anspruch auf Vollständigkeit stellen). 

Unsere Lieblinge

Jörg Geiger – Zum Pionier der Streuobstkultur muss man nicht mehr viel sagen. Er gilt mittlerweile als einer der bekanntesten Genussbotschafter des Landes. Aus Streuobst hat er eine riesige Auswahl an hochwertigen Streuobstgetränken geschaffen, vor allem aus alten Apfel- und Birnensorten. Gerne mit Kräutern vermischt, wie unsere Liebling der Bio-Mischling. Die Produkte gibt es unter anderem bei Geiger direkt.

Streuobst Geiger Flaschen

Streuobst Solawi Tübingen: Aus den ehrenamtlichen Kämpfer:innen ist ein kleines Feinkost-Kommando geworden. Die Solidarische Landwirtschaft pflegt im Ammertal (grob gesagt das schönste Tal zwischen Stuttgart und Tübingen) alte Streuobstbestände. Daraus zaubern sie neben einem feinen Apfel-Birnen-Essig vor allem tolle Brotaufstriche, auch aus alten Kirsch- und Zwetschgen-Sorten. Die Produkte gibt es unter anderem im fantastischen Speicher in Tübingen.

Die Streuobstmosterei am Bodensee: „Aus Streuobst oder gar nicht“, der Leitspruch der Streuobstmosterei von Günther Schäfer ist so konsequent wie ihre Produkte empfehlenswert. Schäfer erzeugt zusammen mit Vertragsanbauern, die alle überhaupt keine Spritzmittel verwenden dürfen, eine breite Palette an Produkten, vor allem aus Äpfeln. Uns hat vor allem der Cidre names Brisanti verzaubert. Die Produkte verkauft unter anderem eine benachbarte Weinhandlung im Online-Shop.

Alb Apfel: Die Jungs von Alb Cider haben wir Euch schonmal groß vorgestellt. Sie verarbeiten vor allem Äpfel von der Ostalb zu ziemlich smartem Most, wie man früher uncool gesagt hätte. Als Cider klingt und schmeckt er spritziger. Wollt ihr haben? Die Jungs sind nicht nur supernett, sondern auch gerne ansprechbar.

Hofgut Maisenburg: Das Hofgut hoch über dem traumhaften Lautertal gehört zu den schönsten Plätzen in Württemberg. Ziemlich viele ziemlich spezielle Bewohner:innen bevölkern die Träum-Dich-weg-Landschaft hier. Unter anderem eine ganze Reihe an Streuobstbäumen, was bemerkenswert ist. Schließlich ist die Schwäbische Alb wegen ihrer Höhe – hier bei Hayingen sind wir auf fast 700 Metern – nicht unbedingt für Obst gemacht. Dass es dennoch gelingen kann, zeigt das Hofgut Maisenburg durch allerlei Marmeladen und Säfte. Bezugsquelle: Direkt vor Ort – andere suchen wir noch für Euch.

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